ECPAT und der Rufmord des Botschafters

ECPAT und der Rufmord des Botschafters

Es war einer der größten Skandale in der Australischen Politik. Der Anfang der 90er Jahre amtierende Australische Botschafter zu Kambodscha, John Holloway, soll dort Kinder missbraucht haben, behauptete die Deutsche Organisation ECPAT e.V. und trat sogleich die übliche mediale Hinrichtung los. Holloway wurde freigesprochen und blieb zeitlebens traumatisiert. 21 Jahre später konnte der Fall endgültig aufgeklärt werden. Die Täter können für den Rufmord nicht mehr belangt werden.
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Kambodscha 1990. Das Land hat gerade einen der schlimmsten Genozide hinter sich, der in seiner Grausamkeit nur noch durch den Deutschen Holocaust zu überbieten ist. Das Land ist in Armut und Chaos versunken. Sextouristen strömen in Scharen ein und beuten schamlos Minderjährige aus. Das lag nicht nur an der mangelnden Rechtslage, sondern auch an der Skrupellosigkeit der Kambodschaner. Sie sind bei den Nachbarländern Thailand und Vietnam äußerst unbeliebt.

Nach der UNTAC (United Nation Temporary Authority Cambodia) bemühten sich internationale Organisationen wie die UNHR, Unicef, USAID Recht und Ordnung in das Land zu bringen. Maßgeblich waren die Australier mit dem Aufbau eines funktionierenden Rechtssystems beschäftigt, bauten Gefängnisse und ließen Gesetzbücher schreiben. Mit dem Kinderschänderparadies war es dann vorbei. Kambodscha hat nun eines der härtesten Gesetze auf der Welt, zur Ausbeutung von Kindern. Der Deutsche Nazipornofilmer Henning O. wurde zu 28 Jahren Haft verurteil. Er kommt jedoch mit Hilfe der Deutschen Botschaft nach 9 Jahren wieder frei. Sie reichte das Schmiergeld an die Gerichte weiter, behauptet Henning O. vor Zeugen.

Die Gesetzbücher waren noch Druckfrisch, als geschäftstüchtige NGO’s den Markt für sich entdeckten. IJM (International Justice Mission) und ECPAT maßen sich an, für Recht und Ordnung sorgen zu wollen. John Holloway, 1992-94 Botschafter zu Kambodscha, war Berater der Kambodschanischen Regierung und maßgeblich an dem Friedensprozess des Landes beteiligt, schreibt Wikipedia. Er übte scharfe Kritik an den NGO’s und wies darauf hin, dass sich das Rechtssystem aus Legislative, Judikative und Exekutive zusammensetzt. NGO’s sind dort nicht enthalten. IJM wurde aus dem Umfeld von George W. Bush gegründet. ECPAT findet sich in der Lobby des Deutschen Bundesministeriums für Familie und Jugend wieder.  

Es dauert nicht lange und Holloway wird plötzlich des Missbrauchs zweier Jungen verdächtigt. Dazu hatte ECPAT Hang Vibol beauftragt, Betreiber des Waisenheims Protect und 2003 Mitbegründer von APLE (Action Pour Les Enfants). Vibol, eher naiv, brachte Straßenkinder aus seinem Heim, ob sie denn den Botschafter auf einem Foto identifizieren könnten.

ECPAT Mitarbeiter und APLE Mitbegründer Hang Vibol packt aus.

Es erfolgt das übliche Prozedere einer medialen Vorverurteilung und Hinrichtung, zu einem Zeitpunkt, als noch nicht einmal klar ist, dass überhaupt ein rechtmäßiges Verfahren eingeleitet wurde und sich rechtsfremde Organisationen zum Herrscher des Verfahrens machen. Dazu beseitigt man den Mann, der dazu einberufen wurde, um rechtmäßige Verfahren in Kambodscha salonfähig zu machen: John Holloway. Allen voran ECPAT, die den Prozess, medial weltweit in Szene gesetzt, in Australien vorantrieben. Vibol brachte die kindlichen Zeugen nach Australien. Der Richter wirft sie als völlig unglaubwürdig aus dem Gerichtssaal und spricht Holloway frei. Für ECPAT ist das der nächste Skandal.

Bei einem solchen Verdacht ist der Freispruch nur Makulatur auf dem Papier. Das hatte auch schon Jörg Kachelmann erfahren müssen. Für die nächsten Jahre wird eine unermüdliche und unerträgliche Diskussion über ein – Hat er oder hat er nicht – vorangetrieben. Wer einer solchen Stressbelastung ausgesetzt wird, stirbt frühzeitig. Holloway 2013 mit 70 Jahren. Wir hätten ihm noch gern seinen endgültigen Freispruch übermittelt, denn er ist Opfer und nicht Täter.

2015 – Die Haftbedingungen im Kambodschanischen Haftlager Prey Sar sind menschenrechtsverletzend und unerträglich. Doch es gibt einen positiven Aspekt. Für einen Journalisten sind die 4.000 Inmates der Heilige Gral an Informationen. Denn nur selten trifft man im Gefängnis, neben Bandenmitglieder die aus dem Nähkästchen plaudern, auf inhaftierte Richter, Staatsanwälte und Senatoren der Oppositionspartei. Zum Beispiel Senator Sok Hour, der zur Oppositionspartei CPNR des im Exil lebenden Anführers, Sam Rainsy, gehört und unglaubliche Einblicke in das System verschafft.

Und dann ist da auch noch Vanna K., Underground Dealer für Verbotenes: Bier (5$ Dose), die Kambodschanische Strafprozessordnung, Kabel und Handys, die aufgrund der Störsender nur bei Stromausfall gehen und Schutzgeld bei den Wärtern kosten, damit sie im Versteck bleiben. Ob wir denn jemanden kennen, der ein Internet Modem zu verkaufen hat? fragt Vanna uns. Klar, Hang Vibol, der hat eins, kennst du den?
Vibol? – Man, mit dem war ich mal als Kind in Australien!

Wir stehen wie versteinerte Salzsäulen da. Vanna hat mittlerweile verstanden, was er da angerichtet hat. Aber damals war er noch ein Kind und die Verlockung für ein Straßenkind zu groß. Er brauchte vor den ECPAT Mitarbeitern nur auf das Foto des Botschafters zu zeigen, dann darf er mal nach Australien fliegen. Noch im Flugzeug hatten sie mit ihm die Falschaussagen einstudiert. Und einen Tag vor dem Prozess im Hotel in Australien wurde er von den ECPAT Mitarbeitern vergewaltigt. Er sollte im Prozess aussagen, dass das der Botschafter mit ihm gemacht hat.

Links: Inhaftierter UK Agrar Investor Gregg Fryett im Gespräch mit Vanna K.

Vanna K. sollte in einem Berufungsverfahren Ende 2016 vor dem Kambodschanischen Appeal Court aussagen. Nachdem wir mühselig, in drei Sprachen, einen WordPress Artikel über ein Handy ins Internet stellen und die Anti Korruptionsbehörde uns nach den protokollierten Aussagen fragt, taucht plötzlich Frau Dorothea Czarnecki von ECPAT e.V. in Prey Sar auf.

Nicht als NGO Vertreterin, denn dann wäre sie sofort abgewiesen worden. Sie kommt, ausgestattet mit einem Dokument der Deutschen Botschaft, als Konsularvertreterin und nimmt in den Besprechungsräumen der Botschaften Platz. Sie möchte eine Unterschrift, personenbezogene Daten verwerten zu dürfen und wird von uns abgewiesen. Gemeinsam mit dem WELT Journalisten, Florian Flade, wird sie an dem nächsten Rufmord mitarbeiten.

Prey Sar ist eine Art Drehtür für Journalisten. Udo Sabiniewicz geht und James Ricketson kommt. Diesmal als Spion. Es wird gerade noch für eine Vernehmung vor der Anti Korruptionsbehörde reichen und Udo S. erneut in ein Fahrzeug gezerrt und verschleppt. Nun holen sie ihn nach Hause, schreibt Florian Flade. Der renommierte Rechtsanwalt, Stephan Bonell, der im Parallelfall die Beschuldigten zu dem aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh vertrat, findet dazu andere Worte:

Die Völkerrechtsverletzung mag identisch sein.

Der Prozess wurde durch Lars F. von der Deutschen Botschaft behindert. Neben Vanna K. sollten zahlreiche Zeugen gehört werden und Medienvertreter aus aller Welt erscheinen. Er wird nicht stattfinden und ein komplettes TV Produtions Studio wird mit Technik und Recherche Material verschwinden. Das Auswärtige Amt bestreitet, dass es dies je gegeben hat.

Untergegangenes TV Produktions Studio in Phnom Penh

Und immer wieder die Frage: Wie steht es eigentlich wirklich um die Pressefreiheit in Deutschland?